Die gesundheitlichen Vorteile des Weihrauchs

Weihrauch ist ein uraltes Naturheilmittel, welches über 5000 Jahre hinweg als Naturheilmittel genutzt wurde. In der ayurvedischen (indischen) Medizin wurde bereits vor mehreren tausend Jahren als Allheilmittel eingesetzt, vor allem im Bereich der Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Bewegungsapparat, Psyche und Haut verwendet. Im Altertum und Mittelalter wurde Weihrauch auch von Ärzten wie Hippokrates, Galen und auch Avicenna (Ibn Sina) vorwiegend wegen seiner positiven Effekte bei der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen verwendet. Früher wurde es sogar regelhaft in Arzneimittelbüchern geführt. Auch zur Geruchsverbesserung fand es aktive Verwendung. Daher war Weirauch räuchern auch ein Bestandteil ritueller Zeremonien.  

Die Gewinnung von Weihrauch erfolgt durch Anritzen der Rinde der Weihrauchbäume. Dabei tritt eine weißliche Flüssigkeit aus, die dann an der Luft zu Gummiharz (Weihrauchharz) erhärtet und danach geerntet wird.

Es ist wichtig, dass solche Schätze der Natur nicht in Vergessenheit geraten sollen, weshalb die folgende Recherche auch einen Beitrag dazu leisten soll.

Weihrauchharze sind ein Vielstoffgemisch. Die Hauptbestandteile sind ätherische Öle, Schleimstoffe und Harzsäuren (Boswelliasäuren), die letztendlich für die Wirkung im Körper sorgen. Dabei sind Boswelliasäuren aus dem Weihrauchharz am besten in Studien untersucht. Je nachdem aus welcher Region (Indien, Oman, Afrika) sie stammen, unterscheiden sich die ätherischen Öle voneinander.

In der ayurvedischen Medizin findet es bis heute noch einen wichtigen Stellenwert und ist Teil des indischen Gesundheitssystems. Kaum zu glauben, aber: Weihrauch war in Deutschland bis in die 60er Jahre im Deutschen Arzneimittelbuch gelistet. Seit den 90er Jahren wurde es vermehrt für schulmedizinische Zwecke eingesetzt. Erste wissenschaftliche Studien in den 90er Jahren bestätigten die antientzündliche Wirkung der Harze. Seit 2008 findet man im europäischen Arzneibuch wieder. In Deutschland gibt es allerdings noch kein zugelassenes Arzneimittel, weil es wohl nicht ausreichend klinische Studien an Menschen gibt. Allerdings zeigen die bisherigen klinischen Studien aber auch eine Vielzahl an Zell- (in vitro) und Tierversuchen stets positive Wirksamkeit bezüglich Weihrauches bei Erkrankungen. Dies wird von vielen Erkrankten ebenfalls bestätigt.

Was sagen die bisherigen Studien zu Weihrauch?

Die folgenden Wirkungen kommen durch mehrere Substanzen der Boswelliasäuren des Weihrauchextraktes zustande. Die höchsten Konzentrationen von AKBA (Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure) und KBA (11-keto-β-boswelliasäure) finden sich hauptsächlich in den Harzen von Boswellia serrata und Boswellia sacra. Beide sind für ihren hohen Gehalt an boswellischen Säuren bekannt, die für ihre entzündungshemmenden und therapeutischen Eigenschaften verantwortlich sind. Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen wurden mit dem Weihrauch-Harzen von Boswellia serrata (Indischer Weihrauch) durchgeführt. Somit gilt Boswellia serrata als die am besten untersuchte Weihrauchspezies.

In Fachkreisen wird jedoch der Weihrauch von der Gattung Boswellia sacra aus dem Oman als den hochwertigsten und reinsten Weihrauch und gleichzeitig die begehrteste (und teuerste) aller Sorten. Wenn schon der indische Weihrauch so positive Effekte schon hat, wie stark müsste es dann bei Boswellia sacra sein? Eine Erklärung, warum der indische Weihrauch mehr in den Studien aufzufinden ist, ist, dass besser zugänglich ist und vergleichsweise günstiger ist als Boswellia sacra. Zudem, dass es die einzige Weihrauchart ist, die in Europa arzneimittelrechtlich erfasst ist.

Insgesamt kann man sagen, dass Weihrauch einen immunmodulierenden Effekt hat. Das heißt, überschießende Immunreaktionen werden gehemmt, und inaktive – aber notwendige – Immunreaktionen wiederum gestärkt, so dass alles eine Balance findet.

Mehrere Studien bestätigen vor allem die entzündungshemmende (antiinflammatorische) Wirkung von Weihrauch. Sie wird auch als die wichtigste Wirkung und Anwendungsbereich gesehen. Verantwortlich dafür sind insbesondere die Boswelliensäuren KBA + AKBA, die je nach Weihrauchsorte unterschiedlich ausfallen (1). Die Wirksamkeit des Weihrauches konnte man insbesondere bei folgenden chronisch-entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen sehen:

  • Asthma Bronchiale
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • rheumatische Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis
  • Multiple Sklerose

Im Gegensatz zu anderen antientzündlichen Präparaten auf dem Markt, zeigt sich eine antientzündliche Wirkung durch verschiedene Effekte. Dabei zeigte Weihrauch eine cortisonähnliche Wirkung: stark entzündungshemmend mit kaum Nebenwirkungen. Denn Cortison ist ein Medikament in der Schulmedizin, welches zwar stark antientzündlich ist – jedoch bei Dauereinnahme erhebliche Nebenwirkungen hat. Daher sieht man heutzutage möglichst von einer Dauertherapie ab. Weihrauch kann zu einer Einsparung von Cortisonpräparaten führen (1).

Boswelliasäuren verhindern zudem, dass eine überschießende entzündliche Reaktion stattfindet:  Man stellte fest, dass durch Weihrauch die Hemmung von dem Schlüsselenzym (5-Lipoxigenase, 5-LO) stattfindet, welches für die Entstehung entzündungsfördernder körpereigenen Botenstoffe (Leukotriene) verantwortlich ist (1). Diese sind für Entzündungen verantwortlich und halten sie aufrecht. Sie sind für die Ödembildung im entzündeten Bereich verantwortlich. Daher kommt es bei der Einnahme von Weihrauch zu einer antientzündlichen und abschwellenden Wirkung aufgrund der Hemmung der Leukotriene (2).

Eine erhöhte Leukotrien-Konzentration findet man neben den chronisch-entzündlichen Erkrankungen übrigens auch bei Erkrankungen wie Multiple Sklerose, zystischer Fibrose, allergischen Erkrankungen (Heuschnupfen, Konjunktivitis), Rheumaerkrankungen (Rheumatoider Arthritis, Lupus Erythematodes) sowie Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Urtikaria, weshalb man bei Einnahme auch hier eine Besserung der Symptome erwarten könnte.  

Therapieerfolge wurden auch für Hashimoto-Thyreoiditis berichtet, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (1, 13). Hier konnte ein Rückgang der Antikörper beobachtet werden und somit die Funktion besser hergestellt werden.

Interessant ist auch, dass Boswelliasäuren neben der antientzündlichen Wirkung es auch zur Senkung von Fieber und Schmerz kommt (antiphlogistische Wirkung). Man nimmt an, dass dies über die Hemmung der entzündungsfördernden Enzym COX (und damit die Prostaglandinsynthese) sowie über die dämpfende Wirkung des zentralen Nervensystems zustande kommt (1). Ein Zustand, der für Betroffene mit entzündlichen Erkrankungen, die Schmerz und Fieber mit sich bringen, zu Gute kommt.

Weitere antientzündliche Effekte konnten in Studien durch Hemmung der Antikörperbildung und Abwehrzellen wie Natürliche Killerzellen festgestellt werden. Auch diese können für Gewebezerstörung verantwortlich sein (3). Auch die Hemmung weiterer entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine wie IL-1, IL-2, Interferon-y und TNF-Alpha) wurde beobachtet (4).

In einer Studie (5) mit Colitis ulcerosa-Patienten zeigte sich nach einer 6-wöchigen Einnahme mit 350mg 3x täglich Weihrauchextrakten bei 82% der Patienten eine Remission (Zurückgehen von Krankheitserscheinungen bei chron. Erkrankung). Die Kontrollgruppe, die 1g täglich das antientzündliche Medikament Sulfasalazin erhielten, lag die Remissionsrate mit 75 % sogar weniger.

In einer weiteren doppelblinden, placebokontrollierten Studie (6) wurden bei 70% der Asthma-Patienten, nachdem sie Weihrauchharz von 300 mg 3x täglich über einen Zeitraum von 6 Wochen einnahmen, ein Rückgang von Anfällen, Atemnot und verbesserte Atemparameter (FEV1, FVC) und Laborparameter (Eosinophilenzahl und ESR) beobachtet.

In der traditionellen Heilkunde wird Weihrauch wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften seit Jahrhunderten auch zum Räuchern bei Atemwegserkrankungen angewendet. Daher ist es auch geeignet bei Asthma, Heuschnupfen oder weiteren Lungenerkrankungen.

Aber nicht nur für chronisch-entzündliche Erkrankungen kann Weihrauch hilfreich sein, sondern auch bei akut-entzündliche Erkrankungen wie Erkältung, Grippe und Covid-19 kann dies Anwendung finden. Denn auch hier spielt Entzündung mit Fieber, Schwellung und Schmerz eine Rolle (1)

Prof. Ammon – ehemaliger Leiter der Pharmakologie und Toxikologie der Universität Tübingen und leitender Forscher Deutschlands zum Thema Weihrauch schreibt in seinem Buch „Weihrauch – die Verwendung in der westlichen Medizin“, dass eine Vielzahl von Patient:innen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) nach einem Vortrag von ihm über die bisherigen positiven Ergebnisse und Erkenntnisse über Weihrauch und CED selbstständig Weihrauchpräparate sich besorgten und einnahmen. Sie verspürten eine deutliche Besserung ihrer Krankheit, so dass einige behandelnde Ärzte von CED-Spezialambulanzen dies dann als Anlass sahen und bei ihren Patienten erfolgreich anwendeten und in einer Studie veröffentlichten (1).  

In einer Studie mit Multiple Sklerose Patienten, einer chronisch entzündlichen Erkrankung des Nervensystems, zeigte sich bei 34% nach 2-monatiger Einnahme von 2x täglich 300mg Weihrauch eine signifikante Verbesserung der kognitiven Beeinträchtigungen (Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen, Orientierung), einer der meist aufgetretenen Störungen bei Patienten mit Multipler Sklerose (1). In einer weiteren Studie vom Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung in Hamburg bekamen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose 8 Monate lang kein Kortison oder Interferon, sondern Weihrauch-Extrakt verabreicht. Hierdurch verringerte sich die Zahl der Nervenschäden um fast 60 Prozent, außerdem ging die jährliche Rate von neuen Schüben ging von 0,94 auf 0,32 zurück (10).

Boswelliasäuren üben einen schützenden Effekt auf alle Arten von Zellen aus. Täglich sind wir freien Radikalen ausgeliefert, die unsere Zellen schädigen können, so dass Krankheiten und Alterung entstehen können. Bei Patienten mit Rheuma kann die schwere Zellschädigung durch erhöhte Leukotrienbildung Radikale begünstigt werden. So kann es sonst bei fehlender Behandlung zu schweren Gelenkknorpelschaden kommen. Durch den antioxidativen Effekt kann das verhindert werden.

Schon im Altertum verwendeten Ärzte Weihrauch für Tumoren und Geschwüren aller Art. Heute gibt es wenig klinische Studien (an Menschen), die das beweisen. Jedoch fand man in zahlreichen Zell- (in vitro) und Tierversuchen eine wachstumshemmende Wirkung. Während Zytostatika (Chemotherapie) meist einen einzelnen Mechanismus des Krebses bekämpft, scheinen die verschiedene Inhaltsstoffe des Weihrauchs ihre krebshemmende Wirkung über mehrere unterschiedliche Mechanismen auszuüben:

  • Die Vermehrung von verschiedenen Tumorzellen wurde (durch Hemmung der Topo-Isomerase) aufgehalten
  • Der programmierte Zelltod (Apoptose) wurde vermehrt eingeleitet
  • Die zytotoxische Wirkung wurde vermehrt aktiviert
  • Die Caspasen wurden vermehrt aktiviert

Es gibt einige klinische Studien an Patienten mit Hirntumoren (Astrozytom, Glioblastom). Dabei verabreichten die Forscher betroffene Patienten 7 Tage vor Operation 3 x täglich 400 mg Weihrauchxtrakt. Im untersuchten Operationsgewebe sah man bereits untergegangene Tumorzellen (1). Eine weitere Studie an 12 Patienten mit Hirntumor sah man zwar keine Verminderung des Tumors, jedoch des Hirnödems und hierdurch zur Verbesserung der klinischen Symptomatik.

Einige ärztliche Kollegen setzen bis heute Weihrauch zur Behandlung von tumorbedingten Gehirnödem ein. In einer Studie sah man eine Reduktion dieses Ödems nach 3x täglicher Gabe von 1200mg Boswelliaextakt. Man vermutet, dass dies durch Hemmung der Leukotriensynthese zustande kommt (1). Außerdem konnte man in Tierversuchen die Passage der Blut-Hirn-Schranke durch Boswelliasäuren gezeigt werden, indem Gewebespiegel von KBA und AKBA im Gehirn detektiert wurden (7). Ein weiteres Experiment an Ratten untersuchte die Hemmung der Tumorzell-Vermehrung, wobei eine signifikante Verringerung des Tumorvolumens und eine Zunahme apoptotischer Tumorzellen festgestellt wurde (8). Es müssten vermehrt Studien an Menschen über einen längeren Zeitraum mit höheren Dosen durchgeführt werden, um finale Aussagen treffen zu können.

Bei Räuchern des Weihrauches wird Incensol freigesetzt, ein weiterer biologisch aktiver Stoff der Weihrauchharze, welches antidepressiv und anxiolytisch (angstlösend) wirkt (1). Aber auch bei oraler Einnahme kann das Incensol diese Wirkung entfalten. Außerdem dämpft es Aggressionen und harmonisiert die Psyche. Daher auch ideal für Stresssituationen.

In einer Studie konnte eine ähnliche Wirkung wie bei Aspirin festgestellt werden (1). Man vermutet, dass es zum einen durch die Dämpfung des Zentralen Nervensystems, zum anderen durch die COX-Hemmung zustande kommt. Es ist jedoch nicht primär geeignet für akute Schmerzen. Bei chronischer Erkrankung wie z.B. bei rheumatischer Erkrankung, die oft mit chronischen Schmerzen einhergehen, konnte die Verbesserung der Schmerzsituation beobachtet werden (1). Bei 4 Patienten mit chronischen Cluster-Kopfschmerzen und Schlafstörungen verbesserte die Einnahme von Weihrauchextrakts die Intensität und die Häufigkeit der Kopfschmerzen (11).

In einer Studie mit Multiple Sklerose Patienten, einer chronisch entzündlichen Erkrankung des Nervensystems, zeigte sich bei 34% der Patienten nach 2-monatiger Einnahme von 2x täglich 300mg Weihrauch eine signifikante Verbesserung der kognitiven Beeinträchtigungen (Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen, Orientierung), einer der meist aufgetretenen Störungen bei Patienten mit Multipler Sklerose.

Der o.g. Stoff Incensolacetat hat neben der antidepressiven und angstlösenden Wirkung wurde auch eine Besserung der Kognition (= geistige Aktivität) festgestellt. Auch konnte eine schützende Wirkung nach einem schlaganfallbedingtem Hirnschaden bei Tierversuchen festgestellt werden. Hier wurde Infarktvolumen und neurologische Aktivitäten verbessert werden (1).

Auch durch das Räuchern von Weihrauchharzen können durch die verschiedenen psychoaktiven Stoffe (u.a. Incensoleacetat) es Wirkungen auf das Nervensystem haben. Hierdurch kommt eine beruhigende, angstlösende und entspannende Wirkung zustande, ohne müde zu machen. Zudem steigert es das Wohlbefinden enorm. Außerdem fördert es stark die Konzentration, so dass stundenlanges Arbeiten möglich ist. Ideal daher in Lernphasen. Aber auch bei Personen mit ADHS, Personen mit Unruhezuständen (Bsp. bei Demenz), Nervosität, bei emotionalem Stress oder sehr traurig gestimmten Personen bis hin zu depressiv Erkrankten können täglich räuchern, ohne dass sie eine Nebenwirkung zu befürchten haben. Das ersetzt alleine keine medizinische Behandlung, jedoch kann es sehr unterstützend wirken.

Weitere Studien bestätigten eine Verbesserung von Lernfähigkeit und auch altersbedingten Funktionsstörungen insbesondere nach Langzeitanwendung von Weihrauch über mindestens 8 Wochen. Hier konnte eine Vermehrung von Dendriten und von CA1 Zellen des Hippocampus beobachtet werden. Dendriten sind Fortsätze von Nervenzellen, die für Aufnahme und Weiterleitung von elektrischen Reizen zuständig sind und der Hippocampus – der Ort für Gedächtnisbildung (1). In Tierstudien für Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson verlangsamte Boswellia-Extrakt den Krankheitsprozess, u. a. durch entzündungshemmende und antioxidative Wirkeffekte (12).

Ibn Sina (Avicenna) berichtet im Kanon der Medizin, der ein halbes Jahrtausend lang das Standardwerk medizinischer Universitäten war, über den Weihrauch: „Er nützt dem Verstand und stärkt ihn“. Er nahm selbst zwei Wochen lang täglich Weihrauch ein und berichtete, dass er eine verstärkte Konzentrationsfähigkeit wahrnahm und seine Erinnerungsleistung um bis zu 90% gestiegen ist.

Wie bereits oben erwähnt, hat Weihrauch durch seinen antientzündlichen Effekt eine gute Wirksamkeit bei Rheumatoider Arthritis, wo Gelenke entzündet und angeschwollen sind. Das Entzündungsgeschehen kann deutlich reduziert werden. In weiteren Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass bei oraler Einnahme von Boswelliasäuren des Weihrauches das Eindringen von weißen Blutkörperchen in das entzündete Gelenk deutlich weniger aufgetreten ist. Die Erkrankung kann unbehandelt oder nicht ausreichend behandelt zu weiterem Knorpel- und Knochenschaden führen, auch hier zeigte sich ein schützender Effekt. Hier kam es zu signifikant geringeren Knorpelverlust. In 5 Studien konnte eine signifikante Verbesserung von Schmerzen, Ödemrückbildung in Gelenken dokumentiert werden (1,9).

Aber auch bei Arthrose kann Weihrauch gut wirksam sein. Mehrere Studien zeigten einen geringeren Verlust an Gelenkknorpel und weniger Knochendeformierung. In einer dieser Studien berichteten die Patienten, dass sie bei 3x täglicher Einnahme von 333 mg Weihrauchextrakt über weniger Knieschmerzen und damit verbesserte Bewegung und Gehstrecke. Eine weitere Studie bestätigte dies, beobachteten aber, dass die Wirkung von Weihrauch viel später eintrat als ein Vergleichsmedikament (COX-2 Inhibitor), aber nach Absetzen sogar 1 Monat mit der Wirkung anhielt (1). In einer weiteren Studie erhielten 56 Patienten mit Arthrose über 2 Monate täglich 3 x 2 g Boswellia-Harz- Tabletten ohne und mit äußerlicher Behandlung. In beiden Gruppen besserten sich die Beschwerden (11). Nach Meinung einiger Forscher sollte Weihrauch aufgrund des geringen Risikos für unerwünschte Nebenwirkungen vor der Gabe von nichtsteroidalen Antirheumatika zum Einsatz kommen.

Bei einer Artherosklerose liegt eine chronische Entzündung der Gefäßwand vor, die sehr langsam fortschreitet und mit der Zeit sich auf dem entzündeten Gewebe Fett ablagert, die mit der Zeit zu Kalk verwandelt und Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck führen kann.

In Tierstudien (4,10) konnte ein positiver Effekt des Weihrauchs an den Gefäßwänden beobachtet werden. Es kam zur Reduktion von arterosklerotischer Ablagerungen und Gefäßerweiterung, was eine bessere Durchblutung zur Folge hat.

Durch den antioxidativen (zellschützenden) Effekt können Boswelliasäuren die Schleimhautschicht des Magen-Darm-Traktes schützen. Vor Schadstoffen, aber vor Angriffen des körpereigenen Immunsystems, wie es bei Autoimmunerkrankungen der Fall ist.

In weiteren Ergebnisse verschiedener Studien konnte festgestellt werden, dass im Falle von Durchfall, ob bei akutem oder chronischem, die Durchfallfrequenz abnahm (1,11).

Aufgrund der antientzündlich und antioxidativen Wirkung von Weihrauch konnte bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Colitis ulcerosa konnte eine 82% Remission (Rückgang von Krankheitssymptomen) nach 6-wöchiger Einnahme erreicht werden (5). In einer weiteren Studie mit 43 Colitis ulcerosa Patienten waren nach 4 Wochen Einnahme von 250mg Weihrauchextrakt die Beschwerden wie Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Blut im Stuhl, wässriger Stuhl, das Krankheitsgefühl, die Blutarmut, der Entzündungswert Leukozyten sowie der Entzündungsmarker Calprotectin im Stuhl geringer als in der Kontrollgruppe (11).

Bei Morbus Crohn wurde in einer Doppelblindstudie ebenfalls eine deutliche Besserung der Beschwerdesymptomatik nach 8-wöchiger täglicher Einnahme von 3600mg Weihrauchextrakt beobachtet (11). Bei beiden Studien wurden als Vergleich Standardmedikamente der Erkrankung in der anderen Gruppe genutzt. Hier waren die Ergebnisse vergleichbar gut.

Auch bei Reizdarmsymptomatik wurde eine Wirksamkeit dokumentiert, dabei waren die Beschwerden so reduziert, dass weniger Arztbesuche der betroffenen Personen erforderlich waren (11).

Weitere klinische Studien finden sich zu chronischer Kolitis: 20 Patienten erhielten 6 Wochen 3x täglich 300mg Weihrauchharz. Bei 18 von 20 Patienten gelang eine Remission. Auch die Laborparameter verbesserten sich. Nur 6 Patienten erlitten innerhalb von 1 Jahr einen Rückfall (1).

In einer weiteren Doppelblind-Studie mit kollagener Kolitis erhielten die Patienten 3 x täglich 400mg Weihrauchextrakt oder die anderen Patienten ein Placebo über 6 Wochen. Die Remissionsrate war hier signifikant höher (63%) als in der Placebo-Gruppe (26%).

Dass Weihrauch vor allem bei Darmerkrankungen hilft, wurde in der Vielzahl der Studien dadurch erklärt, dass sich eine Unterform von den Boswelliasäuren (AKBA) in den Körper zwar nicht besonders aufgenommen wird, aber dafür lokal in Darm eine Wirkung erzielt und damit auf entzündete Schleimhaut einwirkt (1). Nicht zu vergessen ist auch die Erkenntnis, dass 80% unseres Immunsystems im Darm sitzt.

In Tierstudien sah man zudem eine Verbesserung der nicht-alkoholischer Fettleber und damit in Zusammenhang stehender Insulinresistenz, erhöhte Leberwerte und entzündlicher Aktivität (1).

Bereits vor Jahrtausende wurden Hauterkrankungen (Entzündungen, Geschwüre, und Wunden) mit Weihrauch behandelt. Heute kann man dies nachweislich durch Studien durch die entzündungshemmenden Eigenschaften erklären. Hilfreich wäre dies für Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis (Schuppenflechte) oder Neurodermitis. Verschiedene Studien wiesen die positiven Effekte nach. Sowohl mit der innerlichen Einnahme und mit der äußerlichen: In der klinischen Studie wurde Weihrauch als kosmetische Creme verwendet. Hierdurch kam es bei 70% Verbesserung der Schuppenbildung, Rückgang von Juckreiz und Rötungen der Haut. Bei Hautschäden nach Bestrahlungstherapie bei Brustkrebspatienten konnte ebenfalls eine Verbesserung dokumentiert werden (1, 11). Die lokale Anwendung könnte eine nebenwirkungsfreie Option zur Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen sein. Allerdings muss erwähnt werden, dass Weihrauch-Öl nicht pur auf die Haut aufgetragen werden sollte, denn unverdünnt kann es reizend wirken. Eine Möglichkeit wäre die Mischung mit anderen Ölen oder Cremes.

In einer randomisierten doppelblind placebokontrollierten Studie mit 71 Patienten mit Typ II Diabetes und bestehender Metformin-Therapie erhielten 2x täglich 400 mg Weihrauchharze über 12 Wochen. Man beobachtete eine signifikante Abnahme des Nüchtern-Blutzuckers, den Langzeit-Blutzucker (HbA1c), Insulin sowie den Blutfetten (Cholesterin, LDL und Triglyceride). (1)

Die eher ungünstigen Blutfettwerte wie Cholesterin, LDL und Triglyceride wurden nachweislich in Studien signifikant verringert und das eher günstige Blutfett HDL erhöht (1). Das wird dem antiartherogenen Effekt (durch Hemmung des entzündungsfördernden Enzym 5-LO) durch die Boswelliasäuren zugeschrieben. Denn immer, wo erhöhte Fettansammlung ist, finden stille Entzündungen (silent inflammation) statt.

Verschiedene Studien wiesen einen hemmenden Effekt auf Bakterien, Viren, Pilze sowie Parasiten nach. Die antimikrobiellen Eigenschaften kommen durch die Boswelliasäuren und ätherischen Öle zustande (1).

Obwohl Weihrauch eher einen schützenden Effekt auf die Magen-Darm-Schleimhaut hat, werden laut Studienlage geringe Magen-Darm-Beschwerden bei oraler Aufnahme berichtet (Bsp. Durchfall, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Übelkeit/Erbrechen) (11). Hier könnte eine vorsichtige Aufdosierung hilfreich sein. Bei sehr hoher Zufuhr an Harzen kam es bei einer 17-jährigen Frau zu einem Magenstein, der operativ entfernt werden musste – daher sollten empfohlene Mengen nicht überschritten werden. Allergische Hautreaktionen sind sehr selten beobachtet worden (11).

Weihrauch ist ein CYP-450 Induktor (CYP1A2, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6, 3A4). Wechselwirkungen mit Medikamenten sind daher möglich, da es über die Leber über das Enzym Cytochrom P450 verstoffwechselt wird, das eine entscheidende Rolle im Stoffwechsel von vielen Medikamenten spielt. Ob es in solchen Fällen aber auch zu klinisch relevanten Wechselwirkungen kommt, kann mit den verfügbaren Daten nicht sicher beantwortet werden. Die wissenschaftliche Datenlage ist noch begrenzt und die genauen Wechselwirkungen nicht immer eindeutig.

Vorsicht geboten bei der Einnahme von Blutverdünnern (Marcumar, direkte orale Antikoagulantien) – denn die Blutverdünnung kann noch mehr verstärkt werden.

Weihrauch kann den Blutzuckerspiegel senken. Diabetiker müssen dies im Blick haben und den Blutzucker öfter messen und mit dem behandelnden Arzt über eine Dosisreduktion sprechen.

Damit Weihrauch wirkt, muss eine signifikante Menge in den Körper gelangen. Die WHO empfiehlt als Tagesdosis bis 3 Gramm Harz oder bis 1050 mg Extrakt in 3 Einzeldosen (11).

Nach meinen Recherchen und Rücksprache mit Experten ist meine Empfehlung die tägliche Einnahme von 4 Gramm Weihrauchharz der Gattung Boswellia sacra über den Tag verteilt (morgens-mittags-abends). Man kann vorsichtig mit täglich 2 Gramm beginnen. Bei guter Verträglichkeit kann ggf. die Dosis schrittweise gesteigert werden. Dies kann in 1 Liter kaltem Wasser 10-12 Std (über Nacht) gelöst oder direkt gekaut/geschluckt werden. Beim Kauen werden die ätherischen Öle gut über die Schleimhäute aufgenommen. Es verbleibt zwar ein gummiartiger Rest, dieser kann jedoch geschluckt werden. Auch bei der Auflösung im Wasser bleibt ein Rest, den man ebenfalls runterschlucken kann. Es empfiehlt sich, das Wasser stets frisch vorzubereiten und am nächsten Tag vor Einnahme kräftig zu schütteln.

In vielen Studien erfolgte auch die Gabe 2-3x täglich, um die Konzentration von Boswelliasäuren (AKBA und KBA) aufrechtzuhalten und damit eine andauernde Wirkung zu erzielen.

Studien weisen darauf hin, dass eine volle Wirkung des Weihrauches nach ungefähr vier Wochen bei regelmäßiger Einnahme zu erwarten ist. Daher muss man viel Geduld mitbringen. Aber schon bereits nach 2 Wochen kann man eine Symptomreduzierung erwarten, da dann schon eine Sättigung im Gewebe erreicht ist.

Ein Absetzen oder Pause ist nicht zwingend erforderlich, insbesondere dann, wenn die volle Wirkung erzielt und die Beschwerden dadurch reduziert worden sind. Auch nicht empfohlen ist ein abruptes Absetzen. Lieber vorsichtiges Reduzieren über Wochen hinweg.

Weihrauch ist fettlöslich: Die Bioverfügbarkeit und die maximalen Plasmakonzentrationen der Boswelliasäuren (β-BA, Kβ-BA und AKβ-BA) sind im Blut höher, wenn sie zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden, als wenn man es nüchtern einnimmt (11).

Warum ist meine Empfehlung eher ein Harz einzunehmen als ein Extrakt: Der Harz ist ein Vielstoffgemisch und hat somit viele gleichzeitig wirkende Stoffe, die sich sogar gegenseitig in Wirkung unterstützen. Außerdem ist es naturbelassen. Entscheidend ist nicht nur die eine absolute Menge an Boswelliasäuren, sondern vor allem die Zusammensetzung der verschiedenen Stoffe. Ein Extrakt wiederum ist verarbeitet und beinhaltet in der Regel einen Stoff. Auch ist unklar, wie das Produkt verarbeitet wurde.

Weihrauch eignet sich wunderbar zum Räuchern – wohltuend für Psyche und für Atemwege. Dafür kann man ein geeigneten Weihrauchbrenner 1-2 Perlen über mehrere Stunden brennen. Man kann täglich räuchern, ohne dass man eine Nebenwirkung befürchten muss. Das ersetzt alleine keine medizinische Behandlung, jedoch kann es sehr unterstützend wirken.

Äußerliche Anwendung bei Haut- und Gelenkbeschwerden ist auch möglich. Allerdings sollte Weihrauch-Öl nicht pur auf die Haut aufgetragen werden, denn unverdünnt kann es reizend wirken. Eine Möglichkeit wäre die Mischung mit anderen Ölen (Bsp. Jojobaöl) oder Cremes.

Quellennachweis

  1. „Weihrauch – Anwendung in der westlichen Medizin – Historische Anwendung und neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse“, Prof. Dr. Hermann P.T. Ammon, Springer Verlag, 1. Auflage 2018
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20840544/
  3. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/(SICI)1099-1573(199603)10:2%3C107::AID-PTR780%3E3.0.CO;2-3
  4. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18032778/
  1. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9049593/
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9810030/
  3. https://jlupub.ub.uni-giessen.de/items/29664a42-77e6-44f0-92ed-a08fae246848#
  4. https://www.researchgate.net/publication/12425578_Boswellic_Acids_Inhibit_Glioma_Growth_A_New_Treatment_Option
  5. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1063458413009850
  6. https://www.nature.com/articles/srep15357
  7. https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/08_institute/rechtsmedizin/pdf/Addenda/Paper_21-01/Weihrauch.pdf
  8. https://www.orthoknowledge.eu/artikel/gummiharz-von-boswellia-serrata
  9. „Heilpflanzenpraxis heute: Band 1 Arzneipflanzenportraits“, Siegfried Bäumler, Elsevier Verlag, 2. Auflage