Die Schilddrüse ist ein kleines, aber sehr wertvolles Organ, welches sich am Hals befindet. Sie hat wichtige lebenswichtige Aufgaben:
- Stoffwechselregulation
- Hormonproduktion
- Energiebereitstellung
- Temperatur-Regulation
- Herz-Kreislauf-Regulation
- Entwicklung und Wachstum
Was sagen Schilddrüsenhormone aus und welche Funktion haben sie?
Die Schilddrüsenhormone sind umfassend: TRH, TSH, fT3, fT4. Alle Werte stehen Zusammenhang. Sie arbeiten wie eine Firma: Der Chef gibt die Anweisungen, die Mitarbeiter setzen das um und geben Rückmeldung an den Chef. Je nachdem gibt er noch mehr Anweisungen oder zieht sie zurück.
Der Chef dieser Firma ist hier der Hypothalamus, eine Region im Gehirn. Er ist Taktgeber und steuert alle Prozesse. Im Falle der Schilddrüse produziert dieser TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon).
Die Hypophyse, die Hirnanhangdrüse, als Manager nimmt das als Signal des Chefs auf und produziert TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Das sind Botenstoffe, die der Schilddrüse als „Fabrik“ nun die Anweisung gibt, die Hormone fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Thyroxin) zu produzieren.
Dabei wird viel mehr fT4 als fT3 produziert. fT4 ist der Vorrat der Schilddrüsenhormone, sie sind Vorstufe und daher kaum aktiv auf Körperebene. fT3 hingegen ist für die aktive Wirkung im gesamten Körper zuständig, welches für u.a. für Energie, Temperatur, Stoffwechsel, körperliche und mentale Leistungsfähigkeit zuständig ist.
Wenn die Schilddrüsen-Fabrik ausreichend Hormone produziert wird, wird das an den Chef zurückübermittelt, der je nach Ergebnis nochmal Handlungsanweisungen gibt. Das wird als Regelkreis bezeichnet.
Wann werden die Schilddrüsenhormone beim Arzt überprüft?
Zu erwähnen ist, dass die o.g. Werte erst beim Arzt bestimmt werden, wenn gewisse Beschwerden (z.B. Gewichtszunahme, Energielosigkeit, Herzrasen, Frieren) oder Zustände (wie z.B. Schwangerschaft oder Neugeborenenscreening) vorliegen oder vor Applikation von Arzneimittel (z.B. Amiodaron oder Kontrastmittelgabe vor Computertomografie) erfolgen muss. Die Abnahme der Werte erfolgt in der Regel beim Hausarzt, Endokrinologen oder Gynäkologen.
Selbst da ist aber zu erwähnen, dass man in der Regel nur TSH bestimmt und nur wenn dieser auffällig ist weitere Werte bestimmt werden. Auch wenn ich das persönlich nicht sinnvoll halte, ist es aufgrund Vorgaben, an die die Ärzte sich halten müssen.
Wann ist es empfehlenswert, die Schilddrüsenhormone bestimmen zu lassen?
Die Schilddrüsenwerte werden klassischerweise morgens bestimmt, da der TSH-Spiegel morgens am höchsten ist und dann im Tagesverlauf bis zu 40% variieren können. Spätestens bis 10 Uhr muss die Blutentnahme erfolgen. Wichtig ist, dass man für die Blutentnahme nüchtern sein muss, insbesondere wenn man Schilddrüsenhormone bereits einnimmt, darf das Medikament erst nach der Blutentnahme einnehmen, um keine verfälschten Werte zu haben.
Verlaufskontrollen: Wenn man mit dem Medikament neu eingestellt wird, erfolgen die Messungen alle 6-8 Wochen. Danach meist im Halbjahres-Takt.
Wie lassen sich die Schilddrüsenwerte bestimmen bzw. verstehen?
Erkrankungen der Schilddrüse sind viele. Am häufigsten sind jedoch die autoimmunbedingten Formen, die eine Unterfunktion (v.a. Hashimoto-Thyreoditis) oder eine Überfunktion (v.a. Morbus Basedow) der Schilddrüse zur Folge hat. Die Schilddrüse wird hier vom körpereigenen Immunsystem angegriffen, daher zeigt sich die Schilddrüse entzündlich verändert.
Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) ist klassischerweise TSH erhöht. TRH als Chef „peitscht“ das TSH, dass die Schilddrüsen Fabrik unbedingt mehr fT3 und fT4 erhöhen muss, weil sie niedrig sind. Der Mensch hat dann klassische Beschwerden wie Energielosigkeit, Frieren und Gewichtszunahme, da die Hormone zu wenig aktiv sind. Der Stoffwechsel ist insgesamt verlangsamt – das Organ ist auf Sparmodus. Durch Therapie muss man daher Schilddrüsenhormone zuführen, um ein Gleichgewicht wieder herzustellen und die Beschwerden des Patienten zu reduzieren. Übrigens das klassisch verschriebene Medikament „L-Thyroxin“ beinhaltet nur fT4 als Hormon. Es gibt noch ein Medikament mit ft3 (Thybon), der aktiven Form. Das wird nur in seltenen schwierigen Fällen eingesetzt.
Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) ist die gegenteilige Konstellation: Die Fabrik produziert zu viele Hormone, fT3 und fT4 sind erhöht, obwohl der Chef (TRH) und der Manager (TSH) ihre Anweisungen zurückziehen. Daher ist das TSH erniedrigt. Da der Stoffwechsel erhöht ist, liegen bei diesen Patienten dann Beschwerden wie Herzrasen, Gewichtsabnahme, erhöhte Temperatur und Unruhe vor. Man muss Medikamente verabreichen, die die Schilddrüse bremsen. Diese werden als Thyreostatika bezeichnet. Das sind Medikamente wie z.B. Thiamazol, Carbimazol und Propylthiouracil. Oft werden noch als unterstützende Medikamente wie z.B. B-Blocker gegeben, zum einen bremst es die Umwandlung von fT4 zu ft3 und wirkt dem Herzrasen entgegen.
Da Autoimmunerkrankung die Hauptursache dieser Erkrankungen sind werden zusätzlich dann die Antikörper bestimmt: Bei der Hashimoto Thyreoiditis TPO-AK, Anti-Tg-AK, bei Morbus Basedow TAK, TRAK und auch TPO-AK.
Weitere Tipps für Betroffene mit Schilddrüsenerkrankungen
Leider ist es immer noch sehr verbreitet, dass man als Hashimoto Patient auf jodarme Kost achten soll. Das ist eine alte Meinung, die heute nicht mehr vertreten wird. Im Gegenteil hat man festgestellt, dass die meisten Jod brauchen. Deutschland ist Selen- und Jodmangel Gebiet, und das ist auch eine Annahme, dass das auch ausschlaggebend ist für viele Schilddrüsenerkrankungen. Da die Schilddrüse dies benötigt um ausreichend die Hormone zu produzieren.
Auf jodarme Kost sollen vor allem Patienten mit einer Überfunktion der Schilddrüse achten.
Da ich mich mit Närhstofftherapien sehr beschäftige und in meinem medizinischen Alltag einsetze, stelle ich fest, dass insbesondere Patienten mit Unterfunktion Jod 100µg, Selen 200µg (als Natriumselenit), Vitamin D3/K2 und Eisen brauchen. Häufig verbessern sich die Werte so, dass mit der Zeit es zur Medikamentenreduktion und Verbesserung der Beschwerden kommen kann.
Vitamin D, Selen und Eisen sind auch gut gegen autoimmune Reaktionen, so dass die Antikörper weniger produziert werden. So arbeitet die Schilddrüse auch besser. Daher können auch Personen mit Überfunktion letztere nehmen, um ihre Werte zu verbessern.
Auch bei beiden Formen hilfreich ist Schwarzkümmelöl, durch die antioxidative und antientzündliche Wirkung zeigt es in Studien Verbesserung der Schilddrüsenwerte und Rückgang der Antikörper.
Lest gerne auch meinen Artikel zu Jod und Jodmangel durch
